„Systemisch-Traumasensibles-Integratives ElternCoaching-Konzept“ (STICK)

Ein berufsbegleitender Weiterbildungskurs

Zielgruppe
Die Weiterbildung richtet sich an pädagogisch, therapeutisch bzw. beratend arbeitende Fachleute, die im Rahmen ambulanter oder stationärer Hilfen in komplex belasteten Familien und ihren als verhaltensauffällig etikettierten Kindern tätig sind.

Zielsetzung
Nicht selten werden hinter scheinbarer erzieherischer Inkompetenz von Eltern und ihrer erlebten Hilflosigkeit Bewältigungsmuster erkennbar, die in individuellen oder gemeinsam erfahrenen traumatischen Belastungen ihre Wurzeln haben. Dies gilt oft ebenso für Kinder, die dominant aggressiv oder ängstlich vermeidend in Erscheinung treten. Wechselseitige Anpassungsprozesse können dort in Teufelskreise einmünden und fortdauernde, Leid erzeugende Interaktionen in der Eltern- Kind- Beziehung hervorrufen. Teilnehmende sollen Methoden und Arbeitsansätze kennenlernen, die betroffenen Eltern helfen können, erlebte Hilflosigkeit zu überwinden, sich als Bindungsperson und verlässlicher Anker zu präsentieren und ihren Kindern durch ihre Präsenz angemessen Schutz und Orientierung zu geben.

Teilnahmevoraussetzungen
Mindestens 2-jährige einschlägige Berufspraxis und Möglichkeit zur praktischen Umsetzung von Elterncoaching in Familien in professionellen Kontexten. Ausnahmen auf Anfrage. Vorangegangene systemische Weiterbildungen in Beratung oder Therapie sind vorteilhaft, aber nicht Bedingung.

Konzept
Das „Systemisch- Traumasensible- Integrative ElternCoaching –Konzept“ (STICK) ist ein neu konzipiertes ressourcenorientiertes Modell, welches bewährte Elterncoaching- und Trainingskonzepte mit modernen traumapädagogischen bzw. -therapeutischen Ansätzen verbindet. Relevante Erkenntnisse aus Hirnforschung und Bindungstheorie, ebenso wie innovative Praxiskonzepte (z.B. mentalisierungsgestützte Methoden) sollen für die praktische Arbeit verfügbar gemacht werden. Unser Anliegen ist, dass Teilnehmende nicht vorgegebene Methoden kritiklos übernehmen, sondern ihren eigenen ganz persönlichen Arbeitsstil finden und weiterentwickeln.

Systemische Grundhaltung
Zentrale Merkmale: Akzeptanz der Klienten in ihren individuellen Lebensentwürfen und Lösungsstrategien, Respekt vor der Selbstorganisation aller am Prozess Beteiligter, Prinzip der Allparteilichkeit, Verzicht auf Macht und Gewalt (auch in Zwangskontexten), angemessene professionelle Selbstreflexion und Selbstfürsorge als Voraussetzung gelingender professioneller Arbeit.

Teilnehmende verpflichten sich zur Einhaltung der DGSF- Ethikrichtlinien
(siehe https://www.dgsf.org/ueber-uns/ethik-richtlinien.htm)

Theorie und Methodik
Das Konzept der Neuen Autorität (H. Omer, A. von Schlippe)

  • Grundhaltungen und Werte (v.a. Verzicht auf Gewalt und Kontrolle)
  • Stärkung elterlicher und pädagogischer Präsenz als zentrales Element
  • Wiederherstellung und Erhalt belastbarer Beziehungen (u.a. Gesten der Beziehung,
    Versöhnung und Wiedergutmachung)
  • Theorie eskalierender Prozesse und Methoden der Deeskalation
  • Besonderheiten bei der Unterstützung von Eltern ängstlicher Kinder (Ankerfunktion)
  • Methoden zum Aufbau unterstützender Netzwerke für Familien

Relevantes Traumawissen und das spezifisch systemische Traumaverständnis

  • „Parentale Traumata“ und transgenerationale Weitergabe traumatischer Belastungen
  • „Co-traumatische Prozesse“ zwischen Eltern und Kindern
  • Traumabezogene Ressourcendiagnostik in komplexen Belastungskonstellationen
  • „Parentale Hilflosigkeit“, zentrales Konstrukt, handlungsleitend für den Coachingprozess
  • Prinzipien mentalisierungsgestützten Arbeitens
  • Methodik videogestützter Coachingansätze (z.B. Marte Meo)
  • Besonderheiten der Auftragsgestaltung (z.B. Arbeiten im Zwangskontext), ethische Aspekte und spezielle Vorgehensweisen bei besonderen Konstellationen (z. B. hochstrittige Eltern)

Didaktische Orientierung
Der Kurs ist curricular aufgebaut. Theorie und Praxis sollen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Praxisbezogene theoretische Inputs und Austausch in Kleingruppen, Fallverstehen und Methodentraining anhand der Fälle aus dem Arbeitsalltag der Teilnehmenden ist „roter Faden“ der individuellen Lernprozesse, Supervision und Intervision im Gruppenkontext, rollenbezogene Selbstreflexion und selbstorganisierte Literaturarbeit greifen ineinander. Vor allem sollen vorhandene Praxiserfahrungen der Teilnehmenden genutzt werden, um Lernprozesse in der Gruppe zu bereichern.

Dauer
15 Seminartage verteilt über ca. 12 Monate, jeweils freitags/ samstags mit Ausbildern. Zwischen den Kurswochenenden sind zusätzlich insges. 30 UE selbstorganisierte Peergruppenarbeit gefordert.

Orte der Weiterbildung
Die Kurse finden in der Regel im RGST Institut in Viersen statt. Je nach gegebenen Möglichkeiten können die Kurswochenenden auch an den Arbeitsplätzen der Teilnehmer stattfinden. (Dies kommt dem Prinzip der Vernetzung und dem Kennenlernen anderer institutioneller Arbeitsbedingungen entgegen.)

Kursleitung
Karl Heinz Pleyer, Dipl. Psych., Lehrender für Systemische Beratung, Therapie und Supervision (DGSF)

FachdozentInnen
Monika Moß, Dipl. Sozialpädagogin, Systemische Beraterin und Therapeutin (DGSF), Elterncoach

Alexandra Harth, Dipl.-Heilpädagogin, Systemische Familientherapeutin (DGSF), Systemische Autismustherapeutin

Oliver Schmitz, langjährig erfahrene pädagogische Fachkraft KJP, Video-Home-Trainer u. Supervisor

Kosten:
1800,00 € (ohne Verpflegung/Übernachtung)

application-pdf Download Flyer „Traumasensibles systemisches Elterncoaching“